E-Mail Verkehr - aber hallo!!

April 2017

 

Ein „Hallo“ am Anfang einer E-Mail lässt oft bereits nichts Gutes ahnen. Generell ist diese informelle Begrüßung gut gemeint. Aber oft ist sie auch ein Indikator, dass das spezifische Gewicht der darauf folgenden Sätze auch nicht viel höher liegen wird.

 

Ein schönes Textbild ist heutzutage, wo wir es zumeist mit E-Mail-Korrespondenz zu tun haben, häufig nicht mehr gegeben. Dabei wäre es doch oft lohnenswert und angemessen, einen aussagekräftigen Text zu gestalten, der ruhig kurz sein kann, aber das Wesentliche enthält und den Empfänger einlädt, eine ebenfalls respektvolle, an der Sache orientierte Antwort zu geben.

 

Die Begleitmusik in Form von Freundlichkeit und Respekt dienen dabei einem guten Beziehungsaufbau zum Interaktionspartner.

 

Beim Verfassen eines Textes, der diese Kriterien erfüllen soll, kommt es nicht auf die verkrampfte Umsetzung schulischer Syntaxregeln an, sondern auf die individuelle Haltung den sprachlichen Austausch betreffend.

 

Wenn ich sehe, dass jemand sich in einem Schreiben um einen strukturierten Textaufbau bemüht mit Blick auf die Frage, wie sich dieser Text dem Verständnis des Adressaten und damit dessen Wahrnehmung erschließt, ist das sofort als positive kommunikative Energie für mich spürbar.

 

Diese Energie fließt in meine Auseinandersetzung mit dem Text und bestimmt mein Bemühen, meinem Interaktionspartner eine sachgemäße und gewinnbringende Antwort zukommen zu lassen.

 

Wenn wir uns die Zeit nehmen, nochmals über einen Text zu schauen und ihn auf Fehler und Verstehbarkeit abzuklopfen, ja vielleicht sogar mit besseren Formulierungen zu veredeln bevor wir ihn versenden, manifestiert sich schon alleine dadurch eine entgegenkommende und respektvolle Haltung gegenüber dem Empfänger der Botschaft.

 

Hierbei führt auch nicht jeder Rechtschreibfehler oder ein irrlichterndes Komma zum Untergang des Abendlandes oder geradewegs in die Hölle. Solange der Fauxpas nicht so sinnentstellend ist wie in dem bekannten Beispiel:

 

Komm wir essen Opa! vs. Komm, wir essen, Opa!

 

Hier wirkt das kleine Satzzeichen quasi lebensrettend. Schludern wir unsere Nachricht formal und inhaltlich einfach nur so dahin, weil wir uns ja noch mit gefühlt 200 weiteren E-Mails befassen müssen, produzieren wir nicht selten E-Müll, der dann gerne mit E-Müll gleicher Machart beantwortet wird.

 

Man schickt sich also E-Mails hin und her, die immer weniger sachliche Substanz aufweisen, immer mehr Nebelkerzen enthalten und gerne mit offenen oder verdeckten Spitzfindigkeiten gespickt sind. Der eigentliche Anlass und Sachverhalt geht komplett verloren oder bleibt allenfalls noch als Stichwort in der Betreffzeile erhalten.

 

Es kommt zu mentalem Stress, was noch mehr Arbeitsenergie bindet und fehlleitet. Auch der monetäre Schaden, den das Ganze in einem Unternehmen nach sich zieht, dürfte nicht zu verachten sein.

 

Erinnern wir uns also einfach der Worte von Joseph Beuys, der sagte: „Jeder ist ein Künstler“. Warum also nicht auch ein Sprachkünstler?

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Freude bei der Gestaltung eines sinnvollen Schriftverkehrs, ob privat oder beruflich. 

 

Es grüßt Sie herzlich aus der Eifel

 

Frank Tillenburg